Nach Münster – Rückblick auf den Rudertag 2018 – Aussichten

Als IGL akzeptieren wir natürlich die demokratischen Abstimmungsergebnisse von Münster,
auch wenn wir über die Entscheidungen und ihr Zustandekommen beim Rudertag enttäuscht
sind. Noch mehr sind wir aber dankbar für die Unterstützung durch all diejenigen, die
unseren Argumenten gefolgt sind und mit uns gestimmt haben. Es ist ein gutes Gefühl, etwa
ein Drittel Ruderdeutschlands bei sich, in ähnlicher Gedanken- und Motivationswelt zu
wissen!
Wir konnten als IGL einige Punkte durchsetzen, zum Teil in Kompromissform:
1. Der Leistungssport bleibt explizit im ehrenamtlichen Vorstand verankert; auf den Antrag,
ein weiteres Vorstandsmitglied speziell für den Leistungssport in den ehrenamtlichen
Vorstand aufzunehmen, haben wir daraufhin verzichtet. Der Sportdirektor arbeitet nach
Vorgaben des Vorstandes.
2. Die Verlängerung der Amtszeiten sowie der Rudertagszyklen von zwei auf vier Jahre hat
das Präsidium aufgegeben.
3. Wir konnten für den Antrag zur Entschärfung der Präsenzpflicht an den drei disziplin-
führenden Bundesstützpunkten immerhin 420 Stimmen gewinnen, also 43,4% der Stimmen,
was leider aber für die Durchsetzung des Antrags nicht genügte.
Dennoch: Mit einem so knappen Ergebnis sollte sich der DRV zumindest gut überlegen, wie restriktiv und mit
welcher Transparenz er die Ausnahmegenehmigungen ausüben wird. Zumal es ja gerade
viele leistungssporttreibende Vereine sein dürften, die überwiegend gegen diese Form der
Zwangszentralisierung gestimmt haben.
4. Wir haben die beiden anderen Anträge (Mitgliederausschuss und mehr Flexibilität bei der
Bootswahl) verloren. In Bezug auf die zugrunde liegenden Fragen nach einer ausgewogen
Struktur der Verbandsgremien und nach transparenten demokratischen Prozessen sehen wir
allerdings den Verband erst am Beginn einer seit langem überfälligen Diskussion.
5. Bei den Vorstandswahlen wurden Siegfried Kaidel (Vorsitz) und Dr. Dag Danzglock
(Finanzen) mit sehr schwachen Ergebnissen bedacht. Gerade einmal 2/3 der Stimmen
erhielten sie, obwohl es keine Gegenkandidaten gab.
Der DRV wirkt gespalten – es ist vordringliche Aufgabe des Vorstandes, die Mitglieder wieder
zu einen. Offene und respektvolle Kommunikation sowie Transparenz einerseits und das
Voranbringen der relevanten Themen andererseits, sind sicher die besten Mittel für dieses
Ziel. Als solche sind beim Rudertag beispielsweise angesprochen worden
– ein durchgängiges Leistungssportkonzept von der frühen Jugend bis zum
  Olympioniken,
– ein ganzheitliches Finanzierungskonzept mit professioneller Mittelakquise,
– effektivere Verbandsstrukturen, zu erarbeiten u.a. im Rahmen der Agenda 24-
  Themenstellungen, eine überzeugende Vision von der Rückkehr zum Erfolg, die ganz Ruderdeutschland
  eint, dabei alle verfügbaren Ressourcen einsetzt, den Trend zur Abkehr vom
  Leistungssport bei Aktiven und Vereinen stoppt und eine öffentlich wahrnehmbare
  Renaissance der Werte unseres Rudersports erreicht.
Neben der inhaltlichen Aufarbeitung haben wir insbesondere noch unser nachhaltiges
Erstaunen zu verarbeiten: wir hatten nicht mit einem in Teilen solch polemischen,
unsachlichen und zuweilen persönlich beleidigenden Diskussionsstil gerechnet. Es ging
offensichtlich weniger um die Sache, als viel mehr um verletzte Eitelkeiten, das eigene Ego.
Anstelle von argumentativem Überzeugen rückte da vielfach der persönliche Angriff auf
Meinungsgegner. Kein Zuhören, kein Einlassen auf die andere Seite, keine Fähigkeit zur
Selbstkritik und Selbstreflexion. Das ist an sich schon schade und unwürdig.
Und dann kam da noch die unprofessionelle Präsentation von relevanten Inhalten hinzu:
keine Analyse der zurückliegenden Wettkampfsaison (wozu diente der Arbeitskreis
Leistungssport am Freitag eigentlich?) und kein nachvollziehbarer und transparenter
Finanzbericht. Lange schon existierende Zahlen wurden dem Rudertag erst als Tischvorlage
vorgelegt – und auch die war nicht ohne Erläuterungen nachvollziehbar. Niemand hat ein
realistisches Bild von den Zahlungsströmen, der Vermögenslage, den Risiken – weder für die
Vergangenheit, noch für die Zukunft. Kein Mitgliedsverein würde bei sich etwas solches
durchgehen lassen.
Zu guter Letzt hat auch die Antwort des Vorstandes auf die Frage nach der Berechtigung des
offensichtlich großen Einflusses des DOSB auf Organisation und Struktur unseres Sportes
irritiert. Sportler, Vereine und deren Unterstützer, die den weitaus größten Anteil an den
Gesamtkosten für den Leistungssport erbringen, haben kaum Mitspracherechte, während
der DOSB, der die im Verhältnis relativ geringen Bundesmittel verteilt, wesentlichen Einfluss
erhält und ausübt. Die Antwort: wir müssten doch wissen, dass es gar keine Mittel gäbe, wenn
der DRV den staatlichen (DOSB)-Vorgaben nicht folgte. Eine selbstbewusste
Verbandsführung tritt sicherlich anders auf.
Natürlich stellt sich jetzt die Frage: Wie machen wir als IGL weiter? Welche Richtung
schlagen wir nach Münster ein? Selbstverständlich werden wir weiter „den Finger in die
Wunden legen“, natürlich konstruktiv und im Sinne eines Impulsgebers; wir werden
Denkanstöße geben und mitarbeiten am deutschen Rudersport. Wir sind ein offener Kreis
von Ruderinteressierten. Wir laden jeden in Deutschland, der diese Leidenschaft teilt, ein,
mit uns zu diskutieren, gerne auch sich uns anzuschließen, um letztlich zu helfen,
Ruderdeutschland langfristig wieder nachhaltig erfolgreich zu machen. Für das kommende
Frühjahr planen wir eine
Zukunftswerkstatt Rudern, bei der ein Fahrplan für die Bearbeitung
der wichtigsten Themen und ein pragmatisches Format für unsere Aktivitäten erarbeitet
werden soll. Wir berichten weiter und laden ein, sobald Näheres feststeht.
IGL Interessengemeinschaft Leistungssport treibender Rudervereine, 19. November 2018