Erfahrungsbericht von der Arbeit in Gremien des DRV

(Arbeitsgruppe Leistungssport 2017-18)

Um zu drängenden Fragen, u.a. der Weiterentwicklung des Sports im Deutschen Ruderverband, Antworten liefern zu können, verständigte man sich im Frühjahr 2017 auf die Einrichtung einer Arbeitsgruppe. Dabei sollte mit der Auswahl der Teilnehmer das Ergebnis zumindest den Eindruck vermitteln, dass es von Fachleuten aus verschiedensten Vereinen erarbeitet wurde und nicht nur eine Bestätigung der vom Vorstand bereits ohne Abstimmung vorgegebenen Marschrichtung ist. Letzteres überwog aus meiner Sicht dann aber doch.

Als ich später in einem anderen Zusammenhang meine von den offiziellen Ergebnissen abweichende Meinung äußerte, meinte der Vorstand des Deutschen Ruderverbands, mir öffentlich einen Hinweis geben zu müssen, dass meine Auffassung falsch sei.

Erstaunt habe ich in dieser Veröffentlichung des DRV-Vorstands aber auch gelesen, dass ich “die Entwicklung maßgeblich mit beeinflusst“ hätte. Das sollte mich stolz machen, zu einem solchen Fortschritt beigetragen zu haben! Wie kommt es dann aber, dass ich das Gefühl habe, mich gegen eine derartige Vereinnahmung wehren zu müssen?

Mein Gefühl täuscht mich nicht und auch des Hinweises durch den Vorstand hätte es nicht bedurft, denn ich hatte als Mitglied eines DRV-Arbeitskreises bereits folgendes erlebt:

In der Sache handelte es sich um die Erarbeitung von konkreten Vorschlägen für das Präsidium im Rahmen der beim letzten Rudertag beschlossenen Zukunftsplanung und im angesprochenen Fall darum, welches Umfeld für die Sportler abgebildet/entwickelt werden müsste, um auf unsere Rahmenbedingungen bezogene, bestmögliche Leistungen und Erfolge zu erzielen.

Ich war Teil einer Gruppe aus der Interessengemeinschaft Leistungssport treibender Vereine (IGL), die sich dazu entschlossen hatte konstruktiv kritisch mitzuwirken, in der Hoffnung, etwas bewegen zu können. Unser Start begann mit einem Gespräch mit DRV-Vorstandsmitgliedern, mit denen wir darüber verhandelten, mit wievielen Personen wir in der Arbeitsgruppe teilnehmen dürfen. Dabei wurden uns für diese erste Gruppenphase 50% der Teilnehmerzahl insgesamt zugebilligt.

Wegen unserer nur halben Teilnehmerzahl haben wir uns dann aber umso mehr ins Zeug gelegt und fast alle Unterlagen zu den diskutierten Themen erarbeitet. Nach Bereitstellung der Unterlagen wurde darüber in kleinen gemischten Gruppen und im Plenum diskutiert, Ergebnisse wurden verabschiedet und weitergereicht. Problematisch war, dass der vom DRV-Vorstand eingesetzte Arbeitskreis, der natürlich Ressourcen verbrauchte, zeit- und ein bisschen auch geldintensiv war, praktisch führungslos vonstatten ging. Im ersten Meeting gab es neben dem Arbeitskreisleiter einen neutralen Moderator (man rechnete offensichtlich mit aggressiven Auseinandersetzungen). Nach diesem Zeitpunkt waren die Mitglieder auf sich alleine gestellt. Der Vorstand blieb den Sitzungen fern, über den Umgang mit unseren Ergebnissen (wann sollten diese wem präsentiert, wie und wo und mit wem würde über diese diskutiert werden?) hüllte sich der DRV in Schweigen. Man muss sich einen solchen ziellosen, auf Nebensächlichkeitsniveau herabgestuften Vorgang einmal für ein Unternehmen vorstellen, in dem die Führung sich selbstverständlich auch verantwortlich fühlt für die eingesetzten Kapazitäten!

Für uns wichtige, aber DRV-kritische Positionen, wurden im Arbeitskreis gleich mit dem Verhältnis der Stimmen (50:50) bewertet und damit in ihrer Wirkung beschränkt. Es gab auch den Fall, dass abgestimmte Unterlagen monatelang nicht weitergegeben wurden und so nicht verwendet werden konnten. Die eingesetzte Arbeit verpuffte einfach!

Die bewerteten und weitergegebenen Unterlagen gelangten dann in die nächsthöhere Arbeitsgruppenebene (den Fachausschuss) in der dann aber nur noch zwei IGL-Vertreter teilnehmen durften. Womit die erarbeiteten kritischen Positionen, die bereits mit einem 50:50 Votum belegt (belastet) waren, sofort durch die Mehrheit der DRV-Vertreter überstimmt werden konnten und dann nicht mehr zur Entscheidung anstanden.

Darüber hinaus wurden danach noch Stellungnahmen der Trainer und des Länderrats eingeholt und am Ende das Verbliebene sauber strukturiert zusammengefasst dem Präsidium vorgelegt, welches darüber diskutiert und abschließend entschieden hat.

Zwischen der Konstituierung der ersten Arbeitsgruppe und der Entscheidung durch das Präsidium ist gut ein Jahr vergangen. Die Arbeitsgruppen tagten jeweils zweimal im Plenum und etliche Male in Telefonkonferenzen. Dazu kamen natürlich auch viele bilaterale Abstimmungsgespräche und -telefonate.

Bei mir blieb neben der Desillusionierung der Eindruck von großem Aufwand und Ineffektivität sowie das Gefühl, einbezogen worden zu sein ohne wirklich gehört zu werden. Ich kann mir nicht vorstellen, dass auf diese Art wichtige Zukunftsfragen gelöst werden können!

Was ich persönlich in den Arbeitsprozess eingebracht habe war wohl schon nennenswert. Sicher habe ich auch mit großem Engagement Ideen entwickelt, diskutiert und darüber gestritten. Für das Ergebnis fühle ich mich aber nicht verantwortlich! Meine wesentlichen Ansätze fielen eher dem Streichstift zum Opfer. Deshalb bestand mein maßgeblicher Beitrag darin, viel geliefert zu haben, was dann gestrichen werden konnte.

Als bleibende Erkenntnis behalte ich, dass es sinnvoll erscheint, erst die Strukturen und Arbeitsweisen der Arbeitsgruppen und Gremien zu erneuern, bevor man in den alten Verfahrensweisen versucht, fachspezifische Maßnahmen für die Zukunft zu entwickeln!

 

H.Köpke, BRC, 13.9.18