Erläuternde Vorbemerkungen von Dr. Gerhart Marchand, Ruderabteilung RTHC Bayer Leverkusen

Anlässlich des Rudertages vor zwei Jahren wurden die Vereine im Arbeitskreis Leistungssport von der beabsichtigten Leistungssportreform und ihrer Umsetzung im Rudersport  in Kenntnis gesetzt. Ein Kernstück ist die Zentralisierung auf vier disziplinspezifische Bundesstützpunkte („Disziplinstützpunkte“), verbunden mit der Verpflichtung der Sportler, ab November 2018 für das tägliche Training an dem für sie relevanten Disziplinstützpunkt verfügbar zu sein, wenn sie sich die Option erhalten wollen, bei der Bildung der Olympiamannschaft 2020 berücksichtigt zu werden. Gegen diese Reform entwickelte sich sofort heftiger Widerstand in Vereinen, die den Leistungssport unterstützen, der zur Gründung der „Interessengemeinschaft der Leistungssport treibenden Vereine“ (IGL) führte.

Im Zuge der darauf folgenden Diskussion räumte der DRV Fehler in der Kommunikation ein. Es wurde ein „Arbeitskreis Leistungssport“ gebildet, in dem die gesamte Thematik unter Berücksichtigung vielfältiger Aspekte (Perspektive der Sportler, der Trainer, der Vereine, Finanzierung, Kommunikation) aufgearbeitet wurde.

Ungeachtet der Diskussionen und Ergebnisse des Arbeitskreises setzte der DRV die Umsetzung seines Ursprungskonzeptes fort und informierte die Sportler, Trainer und Vereine mit Schreiben vom 18. April 2018 über den ab 1.11.2018 geltenden „eindeutigen Trainingsort“ zur Vorbereitung in den Disziplingruppen. Aus dem Kontext ist ersichtlich, dass mit dieser Formulierung die Disziplinstützpunkte gemeint sind, an denen die Sportler ab November 2018 für das tägliche Training verfügbar sein müssen. Dies wurde in einem Beschluss von DRV Präsidium und Länderrat vom Mai 2018 nochmal bestätigt, allerdings mit der Zusatzbemerkung, dass „für Kleinboote und Leichtgewichte in Abstimmung mit dem leitenden Bundestrainer abweichende Regelungen getroffen werden“ können.

Abgesehen davon, dass es aus der Vergangenheit mit Ausnahme der Achter keine Evidenz für die Vorteile eines zentralistischen Ansatzes, wie er vom DRV durchgesetzt wird, gibt, fällt die Regelung auch mit der zitierten beschränkten Ausnahmemöglichkeit weit hinter dem zurück, was notwendig wäre, um hochqualifizierte Sportler nicht vorzeitig zu verlieren. Eine von dem nicht weiter definierten Ermessen einer einzigen Person abhängige Ausnahme gibt dem Sportler keine Planungssicherheit. Die Ausnahmemöglichkeit erscheint willkürlich auf Kleinboote und Leichtgewichte beschränkt; im Umkehrschluss muss man annehmen, dass für andere Bootsklassen (insbesondere die Mittelboote) keine Ausnahmen zulässig sind. Das wird sich schon in der Praxis nicht durchziehen lassen, es sei denn man will schon jetzt Rechtsklagen durch benachteiligte Sportler in das Kalkül ziehen.

In Abstimmung mit dem IGL-Vorstand hat der RTHC Bayer Leverkusen deshalb den folgenden Antrag zur Tagesordnung des Deutschen Rudertages 2018 eingereicht:

 

Beschlussantrag fu¦êr den Deutschen Rudertag 2018 Bayer Leverkusen