Erläuternde Vorbemerkungen von Stephan Bub, Frankfurter Rudergesellschaft Germania von 1869

Die Sportreform sowie die vom Vorstand beantragten Änderungen in der Verbandsführungsstruktur zielen darauf ab, die von den zentralen Sportverbänden seit Langem verfolgte Zielsetzung zu erreichen, die Einflussmöglichkeiten der  Vereine im Spitzensport auf ein Minimum zu begrenzen. BMI und DOSB beanspruchen, dass ihnen als grosser Financier, bzw den durch sie bezahlten bzw teilbezahlten Vertretern,  wesentliche Durchgriffsrechte im Verband und Vereinen eingeräumt werden müssen. Sie geben sich nicht mit Mitbestimmungs- und Beratungsrechten zufrieden, sondern versuchen durch verschiedene vorgeschriebene organisatorische Veränderungen die Einflussmöglichkeiten von Vereinen zurückzudrängen. Die ehrenamtliche Organisationsform der Vereine wird als unprofessionell und ungeeignet empfunden sich den Herausforderungen des Spitzensports zu stellen.  Die Beiträge der Vereine im Unterstützungsnetzwerk für den Athlet werden nicht gesehen. Die eigene behördliche Organisationskultur einer Linienorganisation, die auf Ansage und Umsetzung ausgerichtet ist, wird als zielführend betrachtet. Nicht nur der Ruderverein selbst, sondern auch die Struktur des DRV, als Verband der Vereine, ist hier ein wesentliches Hinderniss und hat in der Vergangenheit schon zu manchen grotesken Vorschlägen geführt. Wir sind als Verband der Vereine der letzte Mohikaner unter den deutschen Sportfachverbänden und damit im Fadenkreuz der Verbandsreformer.

Würden alle Rechnungen auch die der nicht olympischen Disziplinen bezahlt werden, könnte man für dieses Verlangen durchaus Verständniss aufbringen. Tatsächlich aber tragen Athlet und Verein nach wie vor die Hauptlast der Gesamtkosten. Es ist schlichtweg unrealistisch zu erwarten, dass sich dies jemals in Zukunft ändern wird. Die zur Beschwichtigung angebotene Einbindung von Athlet und Verein hat in der Regel dann eher Alibi- und Feigenblattcharakter.

Eigentlich sollten wir aus den jüngsten Erfahrungen um die Sportreform gelernt haben, in welche Abhängigkeiten wir uns begeben. Politische –  und Budgetierungsprozesse können in kritischen Zeiten keine Rücksicht auf Anforderungen des Spitzensports nehmen. Es waren die Vereine, die Athleten und ihre Unterstützungsnetzwerke, die vieles aufgefangen haben und den Zusammenbruch vermieden haben. Gäbe es keine Vereine, müsste man sie erfinden. Das gesamte Unterstützungssystem für unsere Athleten aus Verbänden mit Vereinen ist um vieles stabiler.

Die Sportreform kann wiederum als Beispiel herangezogen werden, dass man dem Führungsanspruch der Sportverbände im Spitzensport mit grosser Skepsis entgegen treten muss. Ganz offensichtlich hat hier sowohl in dem Entwicklungsprozess als auch in der versuchten Umsetzung der Sportreform der notwendige Input der Vereine und Athleten gefehlt. Diese Sportreform wird in der Geschichte als Fallbeispiel für Managementkurse eingehen wie man es nicht machen darf.  Wir können nach dieser Erfahrung nicht zum Alltag zurückkehren und müssen ernsthafte Veränderungen in Struktur und Personal fordern und umsetzen.

Beginnend: Es ist an der Zeit, dass wir die Aufgaben und Leistungen der Vereine anerkennen und die demokratischen Prozesse in den Vereins- und Verbandsorganisationen nicht weiter aushebeln.

Der Leistungssport muss wieder kompetent im Verbandsvorstand vertreten sein und der Vorstand muss nach Jahrzehnten der Fokusierung auf DOSB, Landessportbünden, Politik und Verwaltung sich auf seine Mitglieder, die Vereine, und die Athleten konzentrieren.

Antrag an Rudertag