Positionen und Ziele der IGL

Die IGL stellt ihre Positionen und Ziele vor

 

Nach ihrer Gründung im Vorjahr stellte die „Interessengemeinschaft der Leistungssporttreibenden Rudervereine“, kurz IGL, Ende Januar bei einer öffentlichen Informations- und Diskussionsveranstaltung in Mainz ihre bisherigen Aktivitäten im Dialog mit dem Deutschen Ruderverband (DRV) vor. Es sind fünf Bereiche, welche die IGL zukünftig konzentriert angehen wird:

 

Der erste betrifft die Belange der Aktiven, deren Interessen in den Mittelpunkt des Handelns gestellt werden müssen. Als Alternative zu einer frühen Beendigung der sportlichen Karriere müssen Perspektiven durch einheitliche Trainingsvorgaben und eine Mannschaftsbildung durch transparente Kriterien auf der Basis von nachgewiesenen Leistungen erkennbar sein. Dabei dürfen nicht die erzwungene Stationierung an einem Trainingsort über einen unverhältnismäßig langen Zeitraum an erster Position stehen, wenn vor allem in den kleinen Bootsklassen Alternativen mit ausreichender Infrastruktur, Trainererfahrung und Finanzierungsmöglichkeiten bestehen. Statt einer zentralen Konzentration der Aktiven sieht die IGL einen positiven Effekt durch den Wettbewerb unter den Trainingsstandorten.

 

Der Wettbewerb steht auch im Fokus der Arbeit der Trainer, dem zweiten IGL-Schwerpunkt. Elf Bundestrainer wären nach dem Modell des DRV ausschließlich an drei Standorten tätig. Dadurch ist ein Synergien und Motivation schaffendes Konkurrenzverhältnis zu Heim-, Vereins- und Landestrainern kaum möglich. Die IGL fördert die zentrale Richtlinienkompetenz und Verantwortung für die einzelnen Disziplingruppen durch die leitenden Bundetrainer. Daneben sollten sich aber alle anderen Trainer der Konkurrenz stellen und durch die Arbeit an bundesweit verteilten Standorten gemeinsam mit den örtlichen Betreuern der Aktiven für eine breitere Basis der Leistungsstärke im Verband sorgen.

 

Im dritten Punkt der IGL geht es um die richtige Auswahl, die notwendige Anzahl und die regional optimale Verteilung der Stützpunkte, die angesichts des DRV-Modells mit nur drei Standorten im nördlichen Teil Deutschlands von der IGL als zu wenig nachhaltig gewertet wird. Neben der leistungsfördernden Konkurrenz schafft ein bundesweites Netz von Leistungszentren auch die Möglichkeit einer Identifikation für regionale Förderer und Geldgeber mit dem Rudersport. Die Diskussion in Mainz zeigte einvernehmlich, dass der in einem Zeitraum von über dreißig Jahren gewachsene Standort Dortmund für die Bildung des Männer-Achters von der IGL in keinem Fall in Frage gestellt wird. Dass aber die Infrastruktur an anderen vom DRV vorgesehenen Orten offenkundig suboptimal ist, wurde ebenso deutlich. Hier dann einen Umzug der Aktiven mit kompletter Verlegung ihres Lebensmittelpunktes zu verlangen, wertet die IGL als kontraproduktiv zur gewünschten Leistungssteigerung.

Dass die Kommunikation zwischen DRV und Vereinen gerade in der Phase der Beschlüsse zur Leistungssportreform zu wünschen übrigließ, war einer der Ausgangspunkte für die Bildung der IGL. Trotz der bereits erfolgten Einbindung der IGL u.a. in den DRV-Ausschuss Leistungssport dürfte hier noch erhebliches Verbesserungspotential bestehen. Das reicht von einer Unterstützung der Vereinsarbeit im Leistungssport u.a. durch einen verbesserten Wissensaustausch mit den Bundestrainern, einer stärkeren Beteiligung der Vereine an der Verbandsorganisation und der Solidarität mit dem nicht-olympischen Bereich bis hin zur Schaffung einer attraktiven Wettkampfbasis mit umfassendem Regattakalender auch für die Aktiven, die es nicht in die A-Nationalmannschaften des Verbandes schaffen. Auch bei der Führungsstruktur zwischen dem DRV-Leistungssportgremium auf der einen und dem Hauptamt auf der anderen Seite sieht die IGL erheblichen Reformbedarf, der durch einen klaren Verhaltenskodex zu einem intensiven Wissens- und Meinungsaustausch führen soll.

Last not least geht es im fünften Punkt um die Finanzierung des Leistungssports. Die IGL hat gezeigt, dass durch den DRV etwa 8% der Gesamtkosten für die Bildung einer starken U23- und A-Mannschaft eingebracht werden. Rund 37% werden durch die Vereine, Länder, Städte und regionale Sportförderer aufgebracht. Den weitaus größten Teil mit 55% tragen aber die Aktiven und ihre Familien in Form von Lebenshaltungs- und Opportunitätskosten. Letztere meinen insbesondere die Einkommensverluste der Aktiven bei einem späteren Berufseinstieg und damit verbunden deutliche Abstriche im künftigen Rentenniveau. Hier sieht die IGL einen der wichtigsten Ansatzpunkte, um die Situation zu verbessern und dauerhaft die Bereitschaft für ein olympisches Engagement der Sportlerinnen und Sportler sicherzustellen. Zentralistische Maßnahmen durch den DRV ohne die dafür notwendigen Mittel aufzubringen, führen nach Auffassung der IGL in eine Sackgasse und beschleunigen den negativen Trend der letzten Jahre. Nur ein Netzwerk gemeinsam mit Vereinen, ihren Aktiven und deren Umfeld sowie den regionalen Förderern kann auf Dauer zu einer nachhaltigen Lösung in der Sportart Rudern führen.